Leseprobe »Die Manifestation«
Acht Monate lang hatte er sich in Hunderten von Laufstunden bei Wind und Wetter geschunden, hatte gelitten, gekämpft und mit sich gehadert. Und jetzt war aus seinem Traum Wirklichkeit geworden! Arthur ließ den Blick durch die Reihen der bunt gekleideten Läufer wandern und lächelte. Er stand tatsächlich hier im Stadtpark am Start und wartete inmitten von 4000 Wettkampfteilnehmern darauf, den ersten Vollmarathon seines Lebens zu laufen. Über die komplette Distanz von 42,195 Kilometern. Um sich mit anderen Sportlern zu messen, in der mental herausforderndsten und körperlich anstrengendsten olympischen Laufdisziplin, die es gab.
Der Einzige, der verhindert, dass Sie zu dem Menschen werden, der Sie sein möchten, sind Sie selbst!
Als er vor einem Jahr in der Warteschlange an der Kasse des Bücherladens in dem Ratgeber geblättert hatte, war sein Blick an diesem Satz hängengeblieben. Dieser Satz hatte sein Leben verändert! Er hatte das Buch gekauft und noch am selben Tag verschlungen. Der Autor beschrieb darin die außerordentliche Macht der Gedanken und erklärte anhand eindrucksvoller Fallbeispiele, wie Menschen durch gezieltes Manifestieren zu ihren Traumpartnern, dem idealen Job, ja sogar zu Gesundheit und Reichtum gefunden hatten. Und alles, was man für eine erfolgreiche Manifestation brauchte, war eine präzise Definition des angestrebten Ziels, Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten und den unerschütterlichen Glauben, es schaffen zu können.
Wie seine höchstpersönliche Sehnsuchtsvision aussah, darüber musste Arthur nicht lange nachdenken. Er hatte schon immer davon geträumt, ein durchtrainierter, muskelbepackter Sportler zu sein. Ein Athlet, dem die Frauen bewundernd zu Füßen lagen; der vor Männlichkeit und Vitalität nur so strotzte, wie die Profiwettkämpfer in den Sportübertragungen, die er sich regelmäßig im Fernsehen ansah. Dieser ebenso ausgeprägte wie unrealistische Wunschtraum war zweifellos seiner Kindheit geschuldet. Wegen seiner Trichterbrust und seines zarten, untergewichtigen Körperbaus hatte seine Mutter ihm nie gestattet, zu rennen, auf Bäume zu klettern oder mit den Nachbarskindern im Hof Fußball zu spielen. Aus Sorge um seine Gesundheit hatte sie sogar dafür gesorgt, dass er während der gesamten Schulzeit vom Sportunterricht befreit wurde.
Bevor er auf den Ratgeber gestoßen war, hatte er seine schwächliche Konstitution nie infrage gestellt, bei der Lektüre des Buches jedoch waren ihm erstmals Zweifel an der Unabänderlichkeit seines Schicksals gekommen. Wenn sein Wunsch und sein Wille ausreichend stark waren, würde er in der Lage sein, seine körperlichen Defizite zu überwinden. Das zumindest behauptete der Autor.